
Ich bearbeite ausschließlich Wurzelholz, besser gesagt, den kompletten Wurzelstock. Im Gegensatz zum Stammholz, das ja immer eine fast gleichmäßige und annähernd runde Form aufweist, ist die Wurzel sehr unwuchtig, und daher auf einer Dreh- oder Drechselbank nicht zu bearbeiten.
Um diese Bearbeitung möglich zu machen, mußte ich eine Maschine selbst entwerfen und bauen, da sie nirgendwo auf dem Markt zu bekommen ist. Sie muß selbsttätig die naturbedingten Unebenheiten der Wurzel ausgleichen, und die Wurzel in stundenlanger Schleifarbeit in die Kugelform bringen. Danach folgt das Schleifen per Hand mit immer feiner werdendem Schleifpapier, das Polieren, und letztendlich wird die Kugel geölt und gewachst. Ich verwende ausschließlich rein biologische Öle und Wachse und stelle eine eigens für meinen Bedarf entwickelte Mischung her.
Die Größe der Kugel gibt die Natur vor, wobei die Ausgewogenheit zwischen offener und geschlossener Fläche maßgeblich für das Aussehen der fertigen Kugel entscheidend ist. Nur wenige Wurzelstöcke sind geeignet, zu einer harmonischen Kugel zu werden. Die Bäume, deren Wurzeln ich verwende, müssem mindestens 20 Jahren alt sein. Wobei es natürlich auch auf die Holzart ankommt. Manche Bäume wachsen schneller, andere dagegen sehr langsam. Jüngere Bäume sind dafür nicht geeignet, weil der Wurzelstock zu klein ist. Um eine fertige Kugel von 40 cm Durchmesser zu bekommen, muss der Wurzelstock mindestens doppelt so groß sein.
Die Maserung ist bei Wurzeln außergewöhnich. Gerade deswegen nimmt man dieses Holz für hochwertige Möbel und für das Interieur nobler Fahrzeuge. Ebenso wird es für Pfeifenköpfe und für die Handgriffe hochpreisiger Taschenmesser verwendet. Schon vor Jahrhunderten wussten Schreiner und Tischler um diese Einzigartigkeit und verwendeten Wurzelholz für die Intarsien edler Möbel, die lange Zeit nur an Königshäusern zu finden waren.